Im Rahmen des internationalen Kulturprojektes „Paul Celan 100. Meridian des großen Meisters der deutschen Sprache: Czernowitz-Paris-Ewigkeit“ (Meridian Czernowitz) führten die bekannten Autoren aus der Ukraine und Deutschland  Prof. Dr. Jan Röhnert, Max Czollek, Andriy Lyubka und Igor Pomerantsev eine Diskussion über Paul Celan, seine Identität und die Bedeutung seiner Werke. Igor Pomerantsev, Autor und Journalist, moderierte, Evgenia Lopata, Leiterin der Literaturkorporation Meridian Czernowitz, dolmetschte aus dem Ukrainischen.

Die Referenten diskutierten kontrovers über die Rolle von Dichtung als der „Suche nach der eigenen Zunge“. Auch zum Thema „Celans Identität“ gab es keine einheitliche Meinung. Unbestritten nur, dass Paul Celan aus Czernowitz und „aus der deutschen Sprache“ kommt.

Wer also ist Paul Celan?

 

Der Czernowitzer Paul Celan verbindet in seinem Werk auf einzigartige Weise deutsche, jüdische, ukrainische, französische, rumänische und österreichische Kultur.

Dazu Andriy Lyubka: „Es scheint mir so zu sein, dass das Wesentliche an der Persönlichkeit von Paul Celan war, dass er ein Flüchtling war. Und dann ist er auch Dichter, Jude, Philosoph, Bukowiner, Übersetzer und eine Person 20. Jahrhunderts. Aber vor allem ist er Flüchtling….
Celan flüchtete nach Paris – paradoxerweise flüchtete er auch vor der deutschen Sprache, nahm sie aber im Gepäck mit. Die deutsche Sprache ist sein Koffer, Erbe und Reichtum.
Und jeder Dichter, besonders ein guter Dichter, flüchtet vor seiner eigenen Sprache. Denn beim Schreiben verlässt man unbeabsichtigt die traditionellen Grenzen und syntaktischen Passagen einer Sprache, rennt durch den Stacheldraht der Zeilen, um die neutrale Zone der Metapher zu erreichen. Der Dichter verlässt seine Muttersprache, um seine eigene Sprache zu schaffen…“

Die insgesamt gut besuchte Veranstaltung wurde im Foyer mit einer kleinen Fotoausstellung der Werke von Sofia Samoylova (unser Mitglied und Filmregisseurin) umrahmt.

Fotos: Konrad Schöller

Kurze Information zu den Referenten:

Prof. Dr. Jan Volker Röhnert (Berlin/ Braunschweig): Literaturwissenschaftler, Autor und Übersetzer. Autor der „Metropolen“ (Hanser 2007), „Notes from Sofia“ (Azur 2011), „Wolkenformeln“ (Edition Faust 2014). Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Mitglied im PEN-Zentrum DE.

Igor Pomerantsev (Prag): Dichter, Publizist und Weinkritiker. Er arbeitet als Journalist für die BBC und Radio „Svoboda“. Pomerantsev initiierte das ukrainisch-deutsche Literatur-Festival „Meridian Czernowitz“.

Andriy Lyubka (Uschhorod) ist ein charismatischer Dichter, Essayist und Übersetzer. Provokativ und jugendlich hat er eine große Leserschar gefunden. Seine Werke sind bereits in mehrere Sprachen übersetzt.

Max Czollek (Berlin) ist ein Lyriker, Essayist und Kurator. Er war Initiator der internationalen Lyrikprojekte „Babelsprech“ und „Desintegrationskongress“. Sein letztes Buch „Desintegriert euch!“ist „ein Buch im richtigen Moment“.

Evgenia Lopata (Czernowitz), ukrainische Kulturträgerin, Übersetzerin, Leiterin des internationalen Lyrikfestivals