Ukraine 2017

Hoffnungen und Perspektiven einer Krisenregion

Ein Kommentar zur Veranstaltung

Die Veranstaltung im Haus der Kulturen war gut besucht. Unter den Teilnehmern befanden sich, wie bei dieser Thematik üblich, eine ganze Reihe von Diskutanten, denen es vornehmlich darum ging, Russland als Opfer amerikanischer Umtriebe zu beschreiben und die russsische Agression zu relativieren. Als Rechtfertigung für eine distanzierte Haltung im Ukraine-Russland-Konflikt führen diese Leute immer wieder die Millionen Opfer im zweiten Weltkrieg an, die sie alle Russland zurechnen (Sowjetunion = Russland) und völlig ausblenden, dass die schlimmsten Verwüstungen und größten Opferzahlen in der Ukraine, Weißrussland, Polen und den baltischen Staaten zu verzeichnen waren.  Von der systematischen Vernichtung von mehr als 3 Millionen Ukrainern durch Stalins Politik (Holodomor) zu Beginn der 30er Jahre wissen sie nichts.

Ärgerlich an dem Diskussionsverlauf war, dass das eigentliche Thema des Abends damit zu kurz kam, denn mit dem Lemberger Journalisten und Übersetzer der Werke von Serhij Zhadan, Juri Durkot, war ein authentischer Vertreter der Ukraine als Referent und Diskutant präsent. Durkot versuchte mit leisen, aber ehrlichen Tönen, die aktuelle Gemütslage der ukrainischen Bevölkerung zu skizzieren, und einen Ausblick auf die Reformaussichten zu geben. Zwar gebe es nach seinen Worten langsame Fortschritte in der Reformierung von Staat und Gesellschaft, aber der Krieg im Osten bremse alle Schritte. Nur der gemeinsame Druck von Zivilgesellschaft einerseits und EU / IWF andererseits habe diesen Prozess vorangebracht. Man hätte gern noch mehr von Durkot gehört, allein die Putinversteher drängten immer wieder in die andere Richtung. Sie interessieren die demokratischen Prozesse in der Ukraine nicht wirklich.

Eine Diskussionsteilnehmerin brachte die Kritik am Diskussionsverlauf auf den Punkt: „wir wollten hier über Hoffnungen und Perspektiven der Ukraine reden, aber wir hören immer nur von Putin. Unser Präsident heißt Poroschenko und auch über den müssten wir reden.“

Die Braunschweiger Zeitung hat heute einen Bericht über die Veranstaltung gebracht. Da dort die Darstellung Putinscher Politik durch den Referenten Boris Reitschuster ausführlich abgehandelt wurde, ist das an dieser Stelle überflüssig.

Bernd Henn

1 Kommentar

  1. Guy Pietron

    13. Mai 2017 at 10:37

    Als Teilnehmer der Veranstaltung muss ich sagen, dass ich auch die Beiträge von Boris Reitschuster sehr klar und sachlich fundiert fand. Sicherlich bewegt er sich manchmal etwas in Grauzonen, wenn er über gewisse Zusammenhänge putinscher Politik mit historischen Abläufen redet, aber er ist ein Journalist bzw. Publizist der als positiver „Russenversteher“ als Pendant zu den insbesondere in Deutschland ansässigen „Russenverstehern“ mit schlechtem Gewissen wegen des durch die Deutschen verursachten 2. Weltkrieges dar steht. Insgesamt fand ich beide Dozenten ausgezeichnet, wobei mir auch, bedingt durch die Fragen einiger Besucher, zu viel über Putin und Russland gesprochen wurde.

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