Schlussbericht: Spendenaktion für Bedürftige und das regionale Krankenhaus in Wolnowacha und umliegenden Dörfern – Corona-Hilfe

Liebe FreundInnen,

den abschließenden Bericht über unsere Spendenaktion möchte ich mit einem von Sofia Samoylova wahrgenommenen Erfahrungsbericht eines beteiligten ukrainischen Offiziers einleiten, der uns in gewisser Weise für das Leben in der betroffenen Region sensibilisieren lässt:

Das war meine erste Mission solcher Art, wir bringen oft den Rentnern Lebensmittel, die wir schon kennen. Wir besuchen öfters Menschen die etwas brauchen, aber 30 Leute in 2 Tagen zu besuchen war neu für mich. Es ist emotional auch nicht ganz einfach. Klar, sie freuen sich und bedanken sich, aber gleichzeitig ist es sehr schwer zu sehen, wie sie leben müssen. Manche haben Kinder, aber ihre Kinder haben den Kontakt abgebrochen, manche haben niemanden mehr und kommen sehr schwer damit zurecht – das zu hören ist sehr belastend. Aber ich war vorher bei den Suchtrupps, und musste auch mal zu Eltern fahren, deren Kinder ich in einem Sarg gebracht habe, da habe ich gelernt mit einer gewissen Distanz solche Missionen zu erfüllen, anders geht es gar nicht. Ich weiß, dass dieses Projekt eine große mentale Unterstützung für die Rentner ist, nicht nur materiell, wobei auch da sich manche über Kekse und Süßes besonders gefreut haben, die sie sich einfach nicht leisten können, bei 1500 Hrywnja Rente im Monat (≈ 50 €).
Ein älterer Herr hat mich besonders beeindruckt. Ich wusste von ihm, dass er im Jahr 2015 von einer Kugel getroffen wurde. Ich war auf alles vorbereitet. Wir kamen aber bei ihm an und vor mir stand ein total kräftiger, großer Mann.
Damals war er in seinem Garten mit Kartoffeln und Unkraut beschäftigt, als die Kugel seine Schulter durchschoss. Er hat eine lange Zeit gebraucht, um sich zu erholen, die Hand funktioniert bis heute noch nicht zu hundert Prozent, aber er hat gelernt damit umzugehen. Als wir bei ihm ankamen, war er wieder im Garten an seinen Kartoffeln, wie damals, als ihn die Kugel traf. Mich freut es zu sehen, dass er sich nicht einschüchtern lässt. Alles geht doch von unserer mentalen Kraft aus, wenn wir Angst haben, spürt das der Körper und kann ja gar nicht genesen. Er hat aber keine Angst, er sagt: „Ich lasse mir doch die Lebensenergie nicht nehmen“. Solche Begegnungen wiederum geben mir viel Kraft zurück. Ich brauche da keine Dankesworte zu hören, ich sehe diese Menschen und sehe ihre Augen und weiß, dass ihr – der Verein, und wir gemeinsam das Richtige tun.

Das Highlight der Emotionalität erleben wir, indem wir uns die frisch gemachte Reportage über das Ehrenamt in der Kriegsregion unter dem Titel „Für den Frieden können wir nichts“ anschauen, wo Sofia als Volontärin selbst bewegende Momente und rührende Szenen mit der ihr eigenen äußeren Gelassenheit gekonnt in Worte fasst:

Und jetzt zu unserem unmittelbaren Projekt:

Nachdem wir die von Maryna Galovska initiierte Spendenkampagne Mitte April in die Wege geleitet hatten, sammelte unser Verein bis zum 1. Mai insgesamt 915 €, die wir mittels der Vereinskasse auf 1.000 € aufstockten. Wir möchten hierbei allen SpenderInnen ein herzliches Dankeschön sagen, darunter dem Vereinsmitglied Mathias W., dessen Spendenanteil besonders beachtlich war.

Den nächsten Schritt der Spendenaktion übernahm Sofia Samoylova. Sie kam in Verbindung mit der ukrainischen Offiziersgruppe der zivil-militärischen Zusammenarbeit (ZMZ), an die der gesamte Spendenbetrag überwiesen wurde. Vor Ort wurden die Lebensmittelpakete vorbereitet, die unter direkter Beteiligung der ukrainischen Offiziere (ZMZ) an alleinstehende betagte Einwohner der ukrainischen Donbas-Region Wolnowacha verteilt wurden. Die Übergabe von Lebensmittelpaketen hat das TV-Team des regionalen Fernsehsenders „Donbas öffentlich“ mit verfolgt:

Außerdem wurden den Ärzten der Abteilung für Infektionskrankheiten des Bezirkskrankenhauses Wolnowacha mehrere wiederverwendbare Schutzanzüge übergeben. Der Videobericht des Fernsehsenders „Donbas öffentlich“ dazu hier:

Den Glanzpunkt der ganzen Aktion setzt die Aufstellung der heiß ersehnten Haltestelle für die Schulkinder in der Ortschaft Nowohryhoriwka nahe der Frontlinie. „In dieser Ortschaft gibt es einen Platz, bei dem sich die Kinder versammeln, um von einem Bus in die Schule abgeholt zu werden, allerdings stehen sie einfach entlang der Straße, und es gibt keinen Schutz, falls Beschuss ist. Die Haltestelle kostet 250 €. Es ist natürlich kein schusssicherer Bunker, aber allein die Tatsache nicht auf offener Straße zu stehen, ist ja auch in gefährlichen Situationen psychisch und mental nicht vom Nachteil...“, so Sofia Samoylova.

Auf der Haltestelle haben die ZMZ-Mitglieder das Logo des Vereins Freie Ukraine Braunschweig e. V. angebracht, wodurch uns in ganz symbolischer Weise die Erkenntlichkeit zum Ausdruck gebracht wird. Der Videobericht mit der Aufstellung der Haltestelle und Interviews dazu hier:

Die Mitglieder des Vereins Freie Ukraine Braunschweig e.V. bedanken sich ihrerseits bei der Ideengeberin und Initiatorin des Projektes Maryna Galovska, den ukrainischen Offizieren der ZMZ sowie unserer unermüdlichen Aktivistin Sofia Samoylova für eine hervorragend geleistete Arbeit in Bezug auf das Umsetzen des Projekts im ukrainischen Donbas und hoffen sehnlichst auf die weitere Zusammenarbeit in diesem Sinne!

Offiziersgruppe der ZMZ in der Region Wolnowacha:

1.Projekt Lebensmittel 1 3 2.Projekt Lebensmittel 2 3 3.Projekt Lebensmittel 3 3 4.Projekt Krankenhaus 5.Projekt Haltestelle 1 3 6.Projekt Haltestelle 2 3

7.Projekt Haltestelle 3 3

1 Kommentar

  1. Eine großartige Aktion, vielen Dank an alle Beteiligten und
    vielen Dank für den ausführlichen Bericht!

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