Eigentlich waren viele Menschen an diesem Freitagabend am 15.5. um 18 Uhr in der DRK-Kaufbar gar nicht in der Stimmung für ein Frühlingskonzert. Zu sehr lasteten auf den Chormitgliedern und den Besuchern noch die schlimmen Nachrichten aus der Ukraine, wo Russland zwei Tage zuvor mit mehr als 800 Drohnen eine der schwersten und am längsten anhaltenden Attacken seit Beginn des großen Krieges im Februar 2022 ausgeführt hatte. Insbesondere die Hauptstadt Kyiv, Charkiv und Odessa waren betroffen mit zahlreichen zivilen Toten und weiterhin andauernden Bergungsarbeiten.
Und es war gut und wichtig, dass Maryna Lizhdvoi, die Leiterin des Chores Ukrainska Duscha genau dieses vor Beginn des Konzertes ansprach. „Es fällt uns nicht leicht, heute Abend ein fröhliches Konzert zu geben“. – Aber die Mitglieder des Ensembles machten es dennoch. Und sie zeigten damit den Trotz und die Widerstandskraft, die diese Menschen der Ukraine auszeichnen. – Und es wurde ein wunderbares Konzert!
Ukrainska Duscha („Ukrainische Seele“) wurde 2022 von Ukrainern in Braunschweig gegründet und ist ein Vokalensemble von inzwischen über 20 Mitgliedern. Sie singen überwiegend ukrainische Volkslieder oft in A-capella-Arrangements, aber auch instrumental begleitet von Musikern der Band In Sence mit Jaroslav Rvacev an der Gitarre, Tetiana Bialocarevska an der Geige und Stanislav Ivaniljuk an der Melodica sowie die Leiterin Maryna Lizhdvoi, die gelegentlich mit dem Tamburin den Takt bestimmte oder die Playback-Musik bediente.
Präsentiert wurden traditionelle ukrainische Frühlingslieder (Wesnjanky) und Liebeslieder. Auf dem Veranstaltungsplakat heißt es: „Wenn die Natur erwacht und alles nach der Sonne strebt, ist die beste Zeit, um sich von der Musik verzaubern zu lassen“. Es gab für manchen Zuhörer vieles Neues, aber andere erkannten auch manche Stücke aus der großartigen Vorführung „Hochzeitskonzert“ vom 16. Oktober 2025 in der St. Michaelis-Kirche wieder. Der nachfolgende Zusammenschnitt mag einen kleinen Eindruck des Konzertes vermitteln.
Die Gastgeberin Heike Blümel konnte als DRK-Fachbereichsleiterin in „ihrer“ DRK-Kaufbar schon mehrfach ukrainische Künstler präsentieren. Mit seiner kleinen Bühne und seiner familiären Atmosphäre ist es ein sehr angenehmer Ort für eine solche Veranstaltungen. Zu Gast waren hier zum Beispiel bereits die Band Dali Bude, der Chor Synergie und im Februar 2024 auch der Colour Music Choir, der hier in Braunschweig an der Domsingschule von Olena Petrykova nach dem Vorbild ihres damaligen Chores in Dnipro neu gegründet wurde. Auch Ukrainska Duscha ist hier bereits aufgetreten, allerdings musste vor wenigen Monaten das Weihnachtskonzert leider gleich zweimal witterungsbedingt abgesagt werden.
Noch einmal zurück zu diesem beeindruckenden Chor Ukrainska Duscha. Die Sängerinnen des Chors stammen aus verschiedenen Regionen der Ukraine und sind als Geflüchtete nach Deutschland gekommen. Trotz ihrer unterschiedlichen Hintergründe verbindet sie eine gemeinsame Leidenschaft: die Musik. Mit ihren Liedern erzählen sie Geschichten von Heimat, Liebe, Freundschaft und Lebensfreude. Durch die Musik haben sie bis heute eine tiefe Verbundenheit zueinander gefunden, der Chor ist Familie, wie auch Maryna Lizhdvoi zum Abschluss des Konzertes noch einmal betonte.
Sie sind inzwischen auf über 20 Mitglieder angewachsen mit einem großen Repertoire an traditionellen ukrainischen Volksliedern und A-cappella-Arrangements, aufgeführt in authentischen Kostümen. Sie treten bei Festivals, Benefiz-Abenden und Kirchenkonzerten in ganz Deutschland auf und haben auch an internationalen Festivals in Prag, Wien und Dresden teilgenommen. In Prag waren sie sogar Grand-Prix-Gewinner beim internationalen Chorfestival Prager Sterne.
Auch auf YouTube gibt es einige sehr schöne Aufnahmen von Auftritten, die die Vielseitigkeit dieses Chores dokumentieren. Drei seien herausgepickt:
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„Гей, пливе кача“ („Hey, die Ente schwimmt“), ein sehr bewegendes Klagelied, wobei die schwimmende Ente den Übergang von der Welt der Lebenden in das Jenseits symbolisiert. Vorgetragen am 26.4.2026 in St. Michaelis auf der Gedenkveranstaltung „40 Jahre Tschernobyl – 15 Jahre Fukushima“.
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„Степом“ („Durch die Steppe“), ein weiteres berühmtes ukrainisches Requiem (Totenklagelied), das erst 1966 geschrieben wurde und im April 2026 von Ukrainska Duscha vorgetragen wurde mit Oleksandr Ros als Solist.
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Hochzeitskonzert – Lieder, Traditionen, Rituale und Kostüme rund um eine ukrainische Hochzeit. Das komplette Konzert vom 26.10.2026 in der Kirche St. Michaelis.
Diese vielseitige Gruppe kann als Ensemble für eigene Veranstaltungen gebucht werden. Es wird zwar ein ukrainisches Musikprogramm geben, aber die Ansagen und Überleitungen werden bei deutschem Publikum natürlich auf deutsch erfolgen. Nähere Informationen dazu und die Kontaktdaten gibt es auf der Webseite von Ukrainska Duscha zu finden. Bitte beachten: die Sprache der Webseite dort ist oben rechts auf ukrainisch/deutsch/englisch einstellbar.



