Die ersten Monate des Jahres 2026 brachten den Menschen in der Ukraine den härtesten Winter seit Kriegsbeginn. Russland richtete seine Angriffe gezielt auf die zivile Infrastruktur und hat inzwischen bereits mehr als die Hälfte der ukrainischen Kapazitäten zur Stromerzeugung beschädigt oder zerstört. Bei Temperaturen, die im Februar längere Zeit auf bis zu Minus 20 Grad hinunter gingen, litt insbesondere die Zivilbevölkerung, die ohne Strom keine Heizung und kein Licht hatten, oft auch kein Wasser.
Aktion „Wärme für die Ukraine“
Medien berichteten im Februar darüber, dass Russland den Winter als zusätzliche Waffe einsetzt. Es erfolgten erste Aufrufe unter dem Motto „Wärme für die Ukraine“, auch in der Braunschweiger Zeitung und auf der Webseite unseres Verein Freie Ukraine Braunschweig e.V. (Dringend: Wärme für die Ukraine und Jahrestag des russischen Angriffskrieges). Daraufhin setzte eine Welle der Hilfsbereitschaft der Menschen in Braunschweig und Umgebung ein und es erreichten uns Geld- und zahlreiche Sachspenden. Hinzu kamen die gesammelten Spendengelder aus der Vorweihnachtszeit.
Das ermöglichte uns, einige dort dringend benötigte Generatoren und Solarkraftanlagen zu besorgen. Und natürlich erwarben wir einige Fahrzeuge, für die es einen besonders großen Bedarf gibt, denn sie werden gebraucht, um akut Leben zu retten. Und mit ihnen konnten die Generatoren und weitere Sachspenden in die Ukraine transportiert werden.
Elf Autos für die Ukraine …
Insgesamt wurden vom Verein Freie Ukraine Braunschweig e.V. im Zeitraum Januar bis April elf Autos besorgt und dorthin ausgeliefert.
Das heißt, eigentlich waren es nur zehn, denn ein Auto, ein Transporter, wurde von der in der Ukraine sehr bekannten und populären Sängerin Navka beschafft, mit einem Zuschuss durch den Verein. Navka lebt aktuell in der Region Braunschweig und ist Mitglied in unserem Verein Freie Ukraine Braunschweig. Ihr Ehemann dient in der Region Cherson in der Armee und sie hat das Fahrzeug, beladen mit Hilfsgütern des Vereins, im April persönlich dort hin gefahren.
Alle Fahrzeuge sind gebrauchte, robuste und oft geländefähige Autos, die hier gekauft, gecheckt und mit einem Überführungskennzeichen versehen werden. Dann werden sie von unseren Fahrern in die Ostukraine gebracht, wo die Autos und auch die transportierten Hilfsgüter verbleiben. Unsere Fahrer kehren mit der Bahn zurück.
Die Ostukraine ist für unsere humanitäre Hilfe das bevorzugte Ziel. Fahrzeuge und Sachspenden gehen in die Regionen Sumy, Charkiv, Dnipro, Cherson und sogar nach Donezk in das Gebiet Pokrowsk.

Von den Fahrern werden bei Auslieferung in der Regel Fotos der Fahrzeuge mit den Empfängern angefertigt, als Nachweis für die korrekte Übergabe. Manchmal bleibt aber auch keine Gelegenheit für ein Übergabefoto, wenn zu dem Zeitpunkt gerade – nahe der Frontlinie – Alarmzustand herrscht und alles rasch gehen muss. Wenn es ruhiger ist, gibt es manchmal ein kurzes Video mit einem Dank an die Unterstützer aus Deutschland oder auch eine kleine Dankesurkunde, eine Nationalflagge mit Unterschriften oder ein gemaltes Kinderbild.
Von den elf überbrachten Fahrzeugen seien nachfolgend Bilder von fünf Autos gezeigt. Zu einem Fahrzeug gibt es ein weiteres Foto: Anfang April wurde ein Volvo V60 in das Gebiet Pokrowsk ausgeliefert, wo es hauptsächlich für Evakuierungen und zur Rettung von Personen eingesetzt werden sollte. Die Region ist sehr nahe an der Frontlinie und steht häufig unter Granatenbeschuss. Als der Fahrer nach drei Evakuierungsfahrten erneut aufgebrochen ist, sah er plötzlich eine Granate auf sich zukommen und einschlagen. Sofort sprang er aus dem Auto und suchte Deckung, aber zum Glück explodierte sie nicht. Das Bild dieses Blindgängers findet sich ebenfalls in der Fotogalerie.
… gefüllt mit wärmenden Sachspenden
Die „wärmenden“ Sachspenden, die der Verein Freie Ukraine Braunschweig ausgeliefert hat, waren hauptsächlich Geräte zur Stromerzeugung (Generatoren und Balkonkraftwerke), wärmende Kleidung (Unterwäsche, Socken, Handschuhe), Iso-Luftmatratzen, aber auch Handwärmer (wiederverwendbare Knick-Wärmepads) und sogar eine Thermoskanne.
Insgesamt wurden acht Generatoren geliefert, teilweise auch für einen „Dual-Fuel“-Betrieb, bei dem der Motor alternativ mit Benzin oder mit Propangas betrieben werden kann. Diese Generatoren sind bei der katastrophalen Energieversorgung oft überlebensnotwendig. In der Regel waren es Generatoren für den Inverter-Betrieb, in denen Wechselrichter den Strom mit Gleichspannung in solchen mit Wechselspannung umwandeln können, was wichtig für den Betrieb vieler elektrischer Geräte ist.
Bedeutsam für eine unabhängige und flexiblere Energieversorgung sind auch die sieben EcoFlow, kleine Balkonkraftwerke mit Solarpanel, die auch überall im Freien genutzt werden können. Dazu gehörend natürlich ein Element zum Speichern des Stroms. Zwei Balkonkraftwerke haben wir bislang überbracht, fünf EcoFlow werden folgen, da sie infolge von Lieferproblemen im Februar/März noch nicht beschafft waren.
Die Empfänger der Spenden sind uns bekannt und sehr verschieden: Krankenhäuser, NGOs (Nicht Regierungs-Organisationen), Kinderheime, Kirchengemeinden, Feuerwehren, Schulen, teilweise auch Militäreinrichtungen, da diese nahe der Front sich auch um Zivilisten kümmern müssen, zum Beispiel bei Evakuierungen oder Rettungseinsätzen. Häufig werden wir über unsere Kontakte gefragt, ob wir etwas schwer Beschaffbares besorgen können (oft medizinische Hilfsmittel). Manchmal sprechen aber auch wir sie an, wenn uns z.B. hier ausgemusterte Geräte angeboten werden, die dort nach unserer Einschätzung noch Verwendung finden können. So erhalten wir häufiger ausgemusterte PCs, Monitore oder Laptops, für die immer eine Nachfrage besteht.
Problematisch sind manchmal Kleiderspenden, die uns vielfach und oft auch in großen Mengen angeboten werden. Unsere Transportkapazitäten sind gering und angesichts des großen von Kleidung benötigten Volumens, beschränken wir uns darauf, zunächst die dringenderen Anfragen zu liefern. Einfache Kleidung ist in der Regel auch vor Ort erhältlich. Nachfolgend ist eine Fotogalerie mit einer kleinen Auswahl von gespendeten Gütern.
Dankeschön an allen Spendern und Helfer
Wir vom Verein Freie Ukraine Braunschweig e.V. möchten uns bei allen Spendern bedanken für ihre Großzügigkeit und ihre spontane Hilfsbereitschaft, die gerade in diesen schweren Wintermonaten wichtig war. Ein großer Dank gilt auch allen Helfern und Unterstützern für Euren unermüdlichen Einsatz. Insbesondere ist unseren Fahrern zu danken, die mit der Überbringung der Autos und der Hilfsgüter bis in die Nähe der Frontline ein großes Risiko auf sich nehmen.
Wenn auch die Summe unserer überbrachten Spenden eher wie ein Tropfen auf dem heißen Stein erscheinen mag, so ist es für die Menschen, für die die humanitäre Hilfe gedacht ist und die sie erhalten, eine große Gabe. Und noch wichtiger als die eigentliche Spende ist die damit verbundene Botschaft „Wir denken an Euch und wir stehen zu Euch!„.

